Sonntag, 4. Juni 2017

Sonntagsbrunch mit der Autorin Jennifer Wellen


Heute gibt es einen besonderen Brunch-Besuch, denn nicht nur ist mein heutiger Gast seit Kurzem Mitglied der Romance Alliance, sondern hat auch schon echt auf meiner Terrasse gesessen (da hat sie allerdings selber Muffins mitgebracht, heute kann sie sich mal virtuell von mir bewirten lassen). Wir sind derselbe Jahrgang, beide im Ruhrpott oder am Rand desselben geboren und aufgewachsen und schreiben hauptsächlich über die Liebe. Was kann da schon groß schiefgehen? Ich freue mich jedenfalls, Jennifer Wellen zum virtuellen Brunch begrüßen zu dürfen.



Liebe Jenni, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?

Kaffee natürlich, bin ein absoluter Koffein-Junkie, obwohl ich auch schon mal gerne Tee trinke, dann aber den schwarzen mit Milch und Zucker, so wie die Engländer ;-)

Milch, Zucker, schwarz?

Früher mit Milch und Zucker. Aber als ich gesehen habe, wie viel Zucker ich mir bei acht Tassen pro Tag mit jeweils drei Zuckerstückchen pro Tasse so einpfeife, habe ich gedacht – waaaassss???

Seitdem lasse ich den Zucker weg und trinke nur mit Milch, aber auch hier nur ganz wenig…und manchmal, wenn keine Milch da ist, trinke ich ihn auch schon mal schwarz.

Herzhaft oder süß?

Ach, da geht meist eigentlich beides…Leckeres Omelette oder Steak zum Frühstück geht genauso gut wie Marmelade oder selbstgemachter Buchweizen-Porridge. Hauptsache ist gluten- und schweinefleischfrei, weil ich davon ja so blöde rheumatische Schübe kriege. Letztens war ich zur LoveLetterConvention in Berlin und habe im Hotel, wo ich übernachtet habe, tatsächlich mein eigenes Brot mit zum Frühstück genommen ;-)

Warm oder kalt?


Beides. Ich wechsel oft ab. Yoghurt mit Früchten esse ich meist kalt, Spiegeleier gerne schon mal warm…und wenn mir Joghurt mit Früchten oder die Eier zum Halse raushängen, (lol, klingt irgendwie doppeldeutig oder?), dann mache ich mir auch mal einen Brei aus Quinoa oder Reisflocken.

1. Als ich deine Tagesroutine gehört habe, hab ich ja ganz schön mit den Ohren geschlackert. Du stehst in der Regel um halb fünf auf, gehst mit dem Hund und setzt dich dann hin, um zu schreiben, bevor du deine Tochter weckst. Alles vor sechs find ich persönlich ja unmenschlich. Warst du immer schon so diszipliniert?

Nee, gar nicht. Vor dem Kind war alles anders. Da habe ich es selten geschafft, vor zehn Uhr auf Arbeit zu sein. Ich hatte nämlich Gleitzeit. Aber wenn man als Autor gerne schreiben will und Ruhe braucht, eignet sich die Zeit morgens am besten. Abends bin ich viel zu müde und habe auch nicht mehr die Konzentration. Tagsüber gibt es zu viele Störfaktoren, nerviges Kind, nerviger Hund, nervige und jaulende Siamkatzen…

2. Du bist diplomierte und promovierte Biologin, also auch sehr stark ein Kopfmensch, würde ich vermuten. Ist das Schreiben über die Liebe da so etwas wie ein Ausgleich zu deinem "Brotjob"?

Ja, ich glaube schon. Die meisten Leute fragen mich immer: Echt? Du hast ein Buch veröffentlicht? Was denn, ein Physiologiefachbuch? (Physiologie ist eines meiner Unterrichtsfächer). Dann muss ich leider immer sagen: Nee, einen Liebesroman! Was meinst du, Doro, was die Leute da blöde gucken und mit einem völlig verwirrten Blick „Oh echt?“ keuchen. Und dann erklär denen mal, warum du so gerne Liebesromane schreibst, wenn du doch eher dafür bekannt bist, jedes Organ nicht theoretisch sondern auch praktisch auseinanderzunehmen (habe mal an der Anatomie in Düsseldorf gearbeitet ). Dabei ist das Herz noch nicht mal mein Lieblingsorgan.

3. Dein aktuellster Roman heißt "Liebe ist wie eine Goodie-Bag". Magst du uns ein bisschen darüber erzählen, worum es geht?

Meine Protagonistin braucht dringend einen Job, hat jedoch keine Ahnung von Mode und bekommt durch Zufall einen als Sekretärin in einer Modelagentur. Doch da unterläuft ihr ein folgenschwerer Fehler, den sie durch eigene Kraft versucht, auszumerzen. Dabei gerät sie nicht nur an den Chef der Konkurrenz, der verdammt stur und ein „Honk“ ist, sondern auch an einen sympathischen Anwalt, der jedoch scheinbar etwas zu verbergen hat.

4. Du hast dich sehr erfolgreich an Kurzgeschichten-Wettbewerben beteiligt, obwohl es Menschen in deinem Umfeld gab, die meinten, du sollest dir da keine Hoffnung machen. Woher kam der Mut, es dennoch zu versuchen, und wie hat es sich angefühlt, dann die Bestätigung zu erfahren?

Ich habe letztens noch das Video gefunden, wo ich diese erste Kurzgeschichte per mail einreiche. Das Abschicken habe ich damals von meiner besseren Hälfte filmen lassen, damit ich hinter her mal gucken kann. Gott, hab ich mich kaputt gelacht. Aber es war schon ein super Gefühl, damals 2010 die mail zu bekommen, dass meine Geschichte mit dabei ist. Für mich war es nur die Bestätigung, dass ich wohl doch Talent habe. Danach hat aber auch niemand mehr etwas zu mir gesagt, und jetzt nach einer ganzen Reihe von VÖs erst recht nicht. Ich werde auch nicht mehr für meine Autorentätigkeit belächelt, so wie früher.

5. Im Juli erscheint mit "Zum Teufel mit dir und der Liebe" ein Romantasy-Roman, in der der Teufel eine besondere Rolle spielt. Mal ehrlich, steckt in dir auch ein kleines Teufelchen? Und wenn ja, wann zeigt es sich besonders gern?


Na klar bin ich ein Teufelchen, aber eher nur zum Schein. Sonst bin ich eigentlich doch eine ganz Liebe. (Kann ich bestätigen. Anm. d. Red). Am ehesten zeigt sich das Teufelchen aber, wenn die Leute mich verletzen. Ich habe zwar einen relativ langen Geduldsfaden, aber wenn du das Ende davon erreicht hast, wird das Teufelchen in mir wach. Und dann kann es schon mal sein, dass ich zurückschlage. Ich habe mal meinem Ex-Freund einen Karton gepackt mit den Sachen, die er mir im Laufe der Beziehung so zukommen ließ. Allerdings hatte ich vorher meine Wut daran ausgelassen. Bilder zerschnippelt, Videokassette vom Band befreit und den selbst geschmiedeten Kerzenständer klein gemacht. Seine Sachen habe ich aber nicht angerührt, sondern ihm so wieder gegeben. Er wusste nicht, was in dem Karton drin war. Eine Stunde später rief er bei mir an und ich konnte den Hörer zwei Meter weit entfernt halten und habe ihn immer noch wunderbar verstanden

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ganz klar, Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr. Tolles Buch, dass selbst mich die Miss Antiromanti (auch, wenn ich Liebesromane schreibe, heißt es nicht, dass ich megaromantisch sein muss) zum Weinen gebracht hat.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Ich glaube, das fertige Produkt in den Händen zu halten. Okay, klingt bei einem E-Book irgendwie komisch. Und schön ist, dass die Leute es scheinbar gerne lesen mögen, und es irgendwie gut finden.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?


Die Zeit, ganz klar. Ich habe viel zu wenig davon. Ja, und manchmal auch die Ideen. Ich habe zu viele davon, die lenken mich ab, weil ich an einem Projekt schreibe, aber gerne schon ein neues beginnen würde. In meinem Kopf brodeln gerade zwei Projekte…aber ich schreibe gerade parallel an Vieren, ich finde, das reicht!

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Nee, eigentlich nie. Ich habe nur ab und an noch zusätzliche Einfälle, die ich dann mit einarbeite, aber ansonsten schreibe ich das Expose runter.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?


Kritik trifft einen Autor immer. Schließlich rauben uns die Manuskripte über Monate den Nerv. Aber ich habe gelernt, Kritik erfolgreich zu verdrängen. Denn oft ist Kritik keine Kritik, sondern nur Geschmackssache. Man trifft nicht immer jeden Geschmack und bei manchen Leuten schwingt noch eine gehörige Portion Neid mit rein. Also so what…!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen