Sonntag, 18. Juni 2017

Sonntagsbrunch mit der Autorin Miriam Rademacher


Auch am heutigen Sonntag gibt es natürlich wieder einen Brunch. Ich freue mich, dass meinem Aufruf in einigen Autorengruppen wieder einige liebe Leute gefolgt sind, so dass ich euch auch in Zukunft weiter Autorinnen und Autoren und deren Bücher vorstellen darf. Heute kommt eine Dame zu mir, die ungefähr mein Jahrgang ist und die für ihr Schreiben auch schon einen Preis einheimsen durfte. Ich wünsche euch also viel Spaß dabei, Miriam Rademacher und ihre Bücher kennenzulernen. 



Liebe Miriam, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?

Lieber Tee. Kaffee heißt bei mir so viel wie: Ran an die Arbeit. Tee steht eher für Gemütlichkeit.

Milch, Zucker, schwarz?

Mich und Zucker. Haben wir auch Kandis?

Herzhaft oder süß? 


Erst herzhaft, dann süß. Und danach gern von vorn.

Warm oder kalt?

Das Rührei sollte schon warm sein, den Rest nehme ich, wie es kommt.

1. Deine Vita erwähnt, dass du auf einem Barockschloss im Emsland aufgewachsen bist. Leben auf einem Schloss, ein Mädchentraum! Wie kam es dazu und war es wirklich so märchenhaft, wie wir uns das vorstellen?


Mein Vater wurde 1972 auf Clemenswerth Museumsdirektor und durfte seine Familie mit auf das Schloss bringen, damit jemand Tag und Nacht ein wachsames Auge auf das Gelände haben konnte. Als kleines Kind fand ich es herrlich. Keine Autos vor der Haustür, dafür Wälder und Fischteiche. Als Teenager war es dann nicht ganz so witzig. Kein Kino, keine Disko, keine Nachbarskinder …aber viel Zeit, um sich Geschichten auszudenken. Das mit dem "märchenhaft" ist auch so eine Sache. Knarrendes Gebälk und zugige Fenster finden in Märchen oft keine Erwähnung. Versteckte Kaminschächte und vergessene Brunnen taten ein Übriges, um sich mehr wie Indiana Jones als wie eine Prinzessin zu fühlen.

2. Du deckst schreiberisch eine große Bandbreite an Genres (und Zielgruppen) ab, hast Krimi, Fantasy, eine Jugendbuchreihe und ein Kinderbilderbuch geschrieben. Bist du noch dabei, dich zu entdecken oder brauchst du beim Schreiben die Vielfalt?


Es macht mir einfach Spaß, zwischen den Schubladen hin und her zu hüpfen, mich mit immer wieder neuen Sichtweisen und Möglichkeiten zu beschäftigen. Oft liegt dann alles viel näher beieinander, als es zunächst aussieht. Ich schreibe gern Krimis, aber die Grenzen die das Genre setzt, sind doch nur dazu da, um sie zu überwinden. Schwupps wird Krimi zu Fantasy, weil der Ermittlerin ein Kobold aus dem Lüftungsschacht entgegenfällt. Wird es noch bebildert und ist die Ermittlerin eine Kreuzspinne, bin ich auch auch schon zu den Kinderbüchern abgedriftet.

3. Dein Bilderbuch "Krebs in Knoblauch" gewann 2012 das "Goldene Kleeblatt gegen Gewalt" des "Forums Gewaltfreies Burgenland". Magst du uns ein wenig darüber erzählen?


Der Preis wird jährlich vergeben und 2012 wurden Märchen gesucht. Ich schickte meinen frechen Krebs ein, der am Strand auf eine Flaschenpost trifft. Diese trägt eine eher unangenehme Botschaft in sich, wie der Titel andeutet. Ich war mir gar nicht sicher, ob ein Märchen ohne Fee und "es war einmal" Chancen hatte, aber ich überließ es anderen, darüber zu entscheiden. Sie haben entschieden, fanden es großartig und ich durfte nach Österreich fliegen und mich feiern lassen. Erst danach entstand daraus ein tolles Bilderbuch, aus dem ich heute noch am Ende meiner Krimilesungen vorlese. Dann schlafen die Zuhörer später auch besser.

4. Deine Jugendbuchserie Talisman dreht sich um ein Islandpferd. Hast du selbst Bezug zum Reiten und zu Pferden?

Eine Jugendbuchreihe mit Pferd war der Wunsch meiner Verlegerin. Ich brachte dann noch das Emsland und das Überwinden von Phobien mit ein, und die Talisman-Reihe war geboren. Obwohl meine Eltern sich Pferde auf dem Schlossgelände hielten, habe ich niemals richtig reiten gelernt. Ich galt als eher ängstlich und bekam stattdessen Klavierstunden. Leider wollte bisher noch niemand eine Jugendbuchreihe mit einem Klavier als Helden herausbringen. Aber natürlich habe ich Pferde gestriegelt, gefüttert und durfte auch mit im Sattel sitzen.

5. Auf was können sich deine Leserinnen und Leser als nächstes aus deiner Feder freuen?


Dieses Jahr erscheinen drei neue Bücher von mir. Talisman startet in sein zweites Abenteuer, es spielt dieses Mal auf Schloss Clemenswerth. Und mein ermittelnder Tanzlehrer bricht in seinem dritten Krimiabenteuer zu einer mörderischen Seereise auf. Ende des Jahres erscheint dann mein Fantasy-Roman um eine Banshee, die sich mit kuriosen Ereignissen in Zeit und Raum herumschlagen muss.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest? 


Mit Blick auf die Verkaufszahlen müsste ich jetzt wohl Harry Potter sagen, aber eigentlich würde es mir mehr bedeuten, wenn ich nur einen einzigen Band zur Jugendserie "Die drei Fragezeichen" hätte besteuern dürfen. Ich bin nämlich seit den achtziger Jahren ein treuer Fan dieser Reihe. Vielleicht klappt es ja noch.

(Da haben wir ja schon mal was gemeinsam. Ich bin auch großer drei Fragezeichen-Fan.)

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Entwickeln einer neuen Geschichte. Selbst entscheiden können, wann das Leben komisch, spannend oder tragisch ist und am Ende eine überraschende Wende präsentieren. Diesen Einfluss haben wir in unserem Alltag oft nicht auf das Geschehen. Außerdem genieße ich die Ruhe beim Schreiben, insofern sie mir mal vergönnt ist.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Ganz ehrlich? Die Zeichensetzung und Rechtschreibregeln machen mich wahnsinnig. Was ist alt und was ist neu? Kommt das Komma jetzt hierhin oder dort oder ist das etwa neuerdings egal? Darf ich Phantasie mit ph schreiben oder will dieser Lektor lieber ein F? Und wieso kann sich ein Lektor das alles merken und ich nicht? Kommaregeln sind für mich ein Fass ohne Boden. Dabei liegt immer ein Heft über Zeichensetzung für die 6. Klasse neben meinem Bett. Ohne Lektorat wäre ich oft aufgeschmissen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, das finde ich besonders spannend. Obwohl ich zu den Autoren gehöre, die beim Schreiben der ersten Seite die letzte schon geplant haben, lasse ich in der Mitte immer Platz für Spielraum. Da kann es passieren, dass Handlung oder Figuren sich verselbstständigen und ganz neue Aspekte hervortreten. Es kann eben nicht immer alles nach meiner Nase gehen, denn Handlung und Figur müssen schlüssig bleiben. Eine meiner wiederkehrenden Krimifiguren, ihr Name ist Lucy, überrascht mich immer wieder. Die Frau macht irgendwie nie, was sie soll. Ich bin schon gespannt, was sie als nächstes ausheckt.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Das kommt auf die Kritik an. Wenn jemandem eines meiner Bücher einfach nicht gefällt, dann nehme ich es hin und esse etwas Schokolade. Man kann es nicht allen recht machen. Vielleicht mag er ja eines der anderen lieber. Wenn jemand Unstimmigkeiten im Plot bemerkt, dann weckt das meinen Ehrgeiz, in Zukunft keinen solchen Schnitzer mehr zu machen. Wirklich spannend finde ich es, wenn meine Bücher untereinander oder mit anderen Werken verglichen werden oder gesagt wird, was innerhalb einer Geschichte besser oder schlechter war. Da sehe ich meine eigene Geschichte plötzlich mit den Augen anderer.

Liebe Miriam, ich bedanke mich herzlich, dass du die Zeit gefunden hast, mir meine neugierigen Fragen zu beantworten und wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Schreiben.

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