Dienstag, 16. April 2019

Quo vadis, Buchmarkt?


Ich finde, es herrscht eine merkwürdige Stimmung auf dem Buchmarkt, irgendwas zwischen Resignation, Panik und Optimismus. Von Verlags- und Vertriebsseite kann ich dazu natürlich wenig sagen. Aber unter meinen AutorenkollegInnen macht sich Frust breit. Immer wieder habe ich ähnlich Gespräche geführt und es für mich wie folgt auf den Punkt gebracht: es mangelt an Wertschätzung.

Meiner Meinung nach ist es aber ein allgemeingesellschaftliches Problem. Produkte und Dienstleistungen werden viel zu wenig wertgeschätzt. Vielleicht liegt es an unserer schnelllebigen Konsumgesellschaft. Man ist gewöhnt, sich Bedürfnisse schnell erfüllen zu können. Wenn ich Lust auf Erdbeeren habe, bekomme ich die auch im Winter. Waren aus aller Welt kommen mir nach ein paar Klicks ratz fatz ins Haus. Dinge, die man im Ausland kennen und lieben gelernt hat, sind keine Besonderheit mehr, denn man kann sie auch hier problemlos beziehen. Wenn ich etwas Bestimmtes im Fernsehen sehen möchte, brauche ich keine Programmzeitungen mehr zu wälzen, auf ein bestimmtes Datum oder eine bestimmte Uhrzeit zu warten, ich binge einfach bei einem Streaming-Dienst oder bestelle die DVD. Kleidung trägt man höchstens eine Saison und wirft sie dann weg. Schnelle Bedürfnisbefriedigung, unbegrenzte Auswahl und das alles kostengünstig. Das sind wir gewohnt, das wollen wir so haben. Und entsprechend hat sich unsere Mentalität geändert. Schnell und viel! Und trotzdem ist die Gesellschaft meines Erachtens nicht zufriedener geworden. Eher im Gegenteil. Weil man es gewöhnt ist, Bedürfnisse rasch und unkompliziert erfüllen zu können, ist die Frustrationstoleranz gering und die Ansprüche sind hoch. Es wird gemeckert und kritisiert, was das Zeug hält.

Sonntag, 24. März 2019

Messenachklapp Leipzig 2019


Und schwupp, schon ist die Leipziger Buchmesse für mich schon wieder vorbei. Die Zeit verging wieder wie im Fluge mit interessanten Eindrücken, wunderbaren und bereichernden Begegnungen und der üblichen Portion Pleiten, Pech und Pannen. Unterm Strich war es aber mal wieder eine tolle Erfahrung.
Mit meiner lieben Freundin und Kollegin Evelyn Boyd machte ich mich bereits am Mittwoch auf den Weg. Sie hatte beruflich in Hannover zu tun, also hatten wir beschlossen, uns dort zu treffen und von da aus gemeinsam zu fahren. Mein Gepäck wanderte also von meinem Auto in ihres, während ihr Koffer mit dem Dienstreise-Gepäck in meinem Kofferraum ein neues Zuhause fand. Blöd nur: meine Turnschuhe (die bequemen) blieben bei der Tauschaktion in meinem Kofferraum ebenso wie Evelyns Kulturtasche mit Zahnbürste und Schminkutensilien. Doch davon ahnten wir noch nichts und machten uns gut gelaunt auf nach Leipzig.
Unterwegs an einer Raststätte trafen wir auch noch prompt auf Lee Bauers und Leonie Lastella, ernteten beim gemeinsamen Kaffee böse Blicke von einem älteren Ehepaar für lautes Lachen und Gespräche über Cowboys, Cops und »Warum liegt hier eigentlich Stroh?« und, während die beiden sich bereits zur Messe aufmachten, um mit Jana Lukas den Delia-Stand aufzubauen, kamen wir schließlich in ausgelassener Stimmung in der Ferienwohnung an. Nun musste erst einmal Zahnbürstenersatz beschafft werden. Gut, dachten wir, bei der Gelegenheit nehmen wir noch mal ein Fläschchen oder zwei Prickelwasser mit … Ihr ahnt, der Abend wurde lustig.
So ging es direkt am Donnerstagmorgen auf die Messe – nicht wie geplant in meinen bequemen Turnschuhen, sondern in meinen schon ziemlich abgelatschten Stiefeln, was sich später noch rächen sollte. Draußen zeigte sich der beginnende Frühling von seiner schönsten Seite: Sonne satt, blauer Himmel, überall grünt und blüht es. Was für ein Kontrastprogramm zum Schneechaos im letzten Jahr! 



Und wieder totale Reizüberflutung. Es gab so viel zu sehen, dass man gar nicht wusste, wo anfangen! Mittendrin natürlich auch wieder die vielen Cosplayer mit ihren faszinierenden und kreativen Kostümen. Ich konnte mich wieder gar nicht sattsehen.
Der schönste Stand allerdings natürlich Halle 5, D 507: der Delia-Stand, liebevoll eingerichtet mit Herzkissen und einer bunten Vielfalt von Büchern der Delia-Autorinnen (die Autoren sind mitgemeint). Da ich am ersten Messetag nur einen fixen Termin hatte, konnte ich mich treiben und die vielen Eindrücke auf mich wirken lassen. Für einen Messe-Donnerstag fand ich es bereits recht voll. Das ließ erahnen, wie es am Freitag und Samstag in den Hallen aussehen würde.

Freitag, 1. März 2019

Soapbox: Jenny Völker »Sternmarie«


Mit meiner Soapbox möchte ich AutorInnen ein Forum bieten, sich und ihre Werke vorzustellen. Insbesondere lade ich Indie-AutorInnen, AutorInnen von Klein(st)verlagen und E-Book-only-AutorInnen dazu ein, da es für sie oft besonders schwer sein kann, wahrgenommen zu werden. Dabei möchte ich mich jeder Wertung enthalten und einfach die AutorInnen und ihre Bücher für sich sprechen lassen. Vielleicht ist ja genau das perfekte Buch für euch darunter.

Heute stellt sich Jenny Völker mit ihrem Buch »Sternmarie« vor. »Sternmarie« ist ein All-Age-Märchen, das die LeserInnen in eine magische Welt entführt.


Sonntag, 17. Februar 2019

Heute mal wieder eine Soapbox! Jessica Weber stellt ihr Buch vor.


Ihr kennt vielleicht noch meine Rubrik »Soapboxing«. Die Idee stammte von den Soapbox Speeches, bei denen Rednern ein freies, öffentliches Forum geboten wird und sie auf eine (tatsächliche oder symbolische) Seifenkiste steigen, um ihr Anliegen kundzutun. Damit wollte ich unbekannteren AutorInnen, Indie-AutorInnen, E-Book-only-AutorInnen und AutorInnen von Kleinverlagen ein Forum bieten, ihre Bücher vorzustellen. Leider haben meine regelmäßigen Rubriken unter meiner Selbstständigkeit und den familiären Verpflichtungen gelitten. Interviews , AutorInnenvorstellungen etc. zu akquirieren, aufzubereiten, verwalten und so weiter braucht Zeit, die ich leider nicht mehr so oft habe. Auch die Umstellung unserer Romance-Alliance-Blogseite im Letzten Jahr hat viel Zeit und Mühe gekostet. Kurzum: Es hat lange keine Interviews oder Soapboxes mehr hier gegeben, was ein wenig schade ist. Heute freue ich mich daher umso mehr, euch Jessica Weber und ihren neuen Roman »Die Welt so stille …«, erschienen im Acabus-Verlag, vorstellen zu dürfen. 



Jessica (Jessie) Weber / Marie C. Bonnet ist Kielerin, gebürtig und überzeugt. Die gelernte Schifffahrtskauffrau liebt es, das Meer vor der Tür zu haben. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Sekretärin und Verlagslektorin. In ihrer Freizeit fertigt sie ausgefallene Motivtorten an, ist in der Mittelalterdarstellung aktiv und reist viel, gern auch zu Recherchezwecken. Sie ist Mitglied in zwei Autorenvereinigungen und im Verband der Schriftsteller in Schleswig-Holstein e. V.


Freitag, 15. Februar 2019

Die Delia-Shortlist ist da!

Bild: Claudia Toman 

Pünktlich zum Valentinstag ist die Shortlist für den Delia-Literaturpreis und den Delia-Jugendliteraturpreis 2019 erschienen. 

Verliehen wird der Preis dieses Mal am Freitag, den 22. März auf der Leipziger Buchmesse. Hier findet ihr alle relevanten Infos.

Ich muss zugeben, dass ich in diesem Jahr so wenig Zeit hatte, dass ich keine einzige der Nominierungen gelesen habe. Aber bisher hat die Jury immer wirklich wundervolle Titel ausgewählt und ich freue mich darauf, mehr über die Nominierten zu erfahren.

Sehe ich euch auf der Messe?

Mittwoch, 13. Februar 2019

Gewaltdarstellungen in Büchern


Gerade habe ich ein Buch gelesen, das mich aufgrund der vielen und sehr grafischen Gewaltdarstellungen verstört hat. Das hat mich auf die Frage nach Gewaltdarstellungen in Büchern gebracht. Wie steht ihr dazu? 

Ich persönlich war noch nie ein Fan von allzu expliziten Gewaltdarstellungen, speziell in Filmen. Ich habe keinen der einschlägigen Horrorfilme gesehen, schaue ungern Thriller, in denen zu viel gezeigt wird und habe sogar mit Game of Thrones bisweilen meine Schwierigkeiten. Am schlimmsten für mich: wenn Kindern Gewalt angetan wird. Das kann ich mir nicht anschauen. Vielleicht liegt es daran, dass ich auf dieser Ebene sehr empathisch bin. Ich kann mir das einfach nicht angucken und schon gar kein Vergnügen dabei empfinden, wie jemand leidet. 
In Büchern ist das noch einmal etwas anders, weil die Kontrolle über die Intensität der Bilder dabei zu einem großen Teil bei mir selbst liegt. In einer geschriebenen Szene kann ich selbst in meiner Fantasie Details hinzufügen oder weglassen, sie mir so blutig vorstellen, wie ich es aushalte. Dennoch lese ich ungern besonders blutige Thriller oder Horrorgeschichten.

Für mich ist wichtig, dass es einen Grund für die Gewaltdarstellung gibt, der jenseits der Provokation oder des reinen Voyeurismus liegt. Ist die Gewaltdarstellung wichtig für den Plot, ist sie nicht Selbstzweck, kann ich sie tendenziell leichter verkraften. Klar, die Welt ist gewalttätig, da brauchen wir uns nichts vorzumachen und die Realität oft grausamer als jede Fiktion. Doch gerade deswegen sind Geschichten für mich so eine Art Schutzraum, in dem ich nicht zu viel sinnlose, unmotivierte Gewalt haben möchte.


Als Teenager habe ich »Ayla und der Clan des Bären« verschlungen, dabei ging es darin auch recht brutal zu. Es gab Schläge, Vergewaltigung und eine Szene in der das Gehirn eines verunglückten Jägers in einem Ritual von den »Weisen« des Stammes verzehrt wurde. Als ich das Buch dann in der Bibliothek noch einmal ausleihen wollte, wurde es mir verwehrt. Da hätte ich erst 16 sein müssen. Trotzdem habe ich die Geschichte geliebt und mir hat die Gewalt darin nichts ausgemacht - obwohl ich eine Memme war und bin, was so etwas angeht. Ich frage mich, warum ich diese Szenen nicht als schlimm empfunden habe, andere hingegen schon. (Damals waren Freddie Krüger und Co gerade in und ich habe mich standhaft geweigert, diese Filme zu gucken und habe auch »Es« von Stephen King nie gelesen, weil ich Clowns schon so gruselig genug finde und - ihr ahnt es - es hier auch um Kinder geht). 

Ich glaube, es ist tatsächlich eine Gratwanderung, wie viel Gewalt eine Geschichte braucht und verträgt und es hängt natürlich auch von der vollkommen subjektiven Empfindlichkeit ab. Insofern kann ich nicht sagen, dass ich Gewalt in Büchern generell schrecklich finde. Faktoren, die mich stören sind folgende:

- wenn es am Ende keine Andeutung auf Hoffnung gibt, keine positiven Figuren/Handlungsstränge, die die Gewalt und das Negative ausbalancieren
- wenn ich nicht erkennen kann, zu welchem Zweck innerhalb der Handlung eine Gewaltdarstellung dient
- die Gewalt zu explizit und zu offensichtlich mit Lust am Detail beschrieben wurde

Wie sieht es bei euch aus? Darf bei euch das Blut spritzen? Wo sind eure persönlichen Grenzen? 

Freitag, 25. Januar 2019

Schreibklausur und dp Neujahrstreffen in Stuttgart


Während der treue Göttergatte zuhause die Kinder hütet, habe ich mich im Dienste guter Lektüre nach Ludwigsburg begeben. Mein Verlag, dp Digital Publishers, hat zum Neujahrstreffen geladen und ich habe beschlossen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und gleich eine Woche Schreibklausur daraus gemacht. Na ja, nicht ganz Klausur. Es wird auch gesellig, denn Kollegin Angelika Lauriel  ist ebenfalls hier und heute Abend kommt noch für zwei Tage die liebe Katherine Collins hinzu.
Am Samstag geht es dann zum dp Neujahrstreffen, wo ich noch viele andere liebe KollegInnen treffen werde und wir Gelegenheit bekommen, mit unseren Verlagsmenschen zu quatschen und Spaß zu haben. Eine wirklich schöne Veranstaltung. 

Außerdem habe ich geplant, Verwandtschaft zu besuchen. Wenn ich schon mal so weit in den Süden komme, soll es sich auch lohnen. Wie viel ich also tatsächlich schaffe, was das Schreiben angeht, sei erst einmal dahingestellt. 

Die Pläne für die Leipziger Buchmesse nehmen ebenfalls Form an und ich freue mich schon jetzt auf das Frühjahr. Allerdings hat der Schnee, der seit meiner Ankunft am Mittwochabend fast unaufhörlich fällt, auch seinen Reiz. Mir graut bloß vor der Rückfahrt. ;-) Bis dahin darf er also getrost wegtauen, finde ich.