Dienstag, 16. April 2019

Quo vadis, Buchmarkt?


Ich finde, es herrscht eine merkwürdige Stimmung auf dem Buchmarkt, irgendwas zwischen Resignation, Panik und Optimismus. Von Verlags- und Vertriebsseite kann ich dazu natürlich wenig sagen. Aber unter meinen AutorenkollegInnen macht sich Frust breit. Immer wieder habe ich ähnlich Gespräche geführt und es für mich wie folgt auf den Punkt gebracht: es mangelt an Wertschätzung.

Meiner Meinung nach ist es aber ein allgemeingesellschaftliches Problem. Produkte und Dienstleistungen werden viel zu wenig wertgeschätzt. Vielleicht liegt es an unserer schnelllebigen Konsumgesellschaft. Man ist gewöhnt, sich Bedürfnisse schnell erfüllen zu können. Wenn ich Lust auf Erdbeeren habe, bekomme ich die auch im Winter. Waren aus aller Welt kommen mir nach ein paar Klicks ratz fatz ins Haus. Dinge, die man im Ausland kennen und lieben gelernt hat, sind keine Besonderheit mehr, denn man kann sie auch hier problemlos beziehen. Wenn ich etwas Bestimmtes im Fernsehen sehen möchte, brauche ich keine Programmzeitungen mehr zu wälzen, auf ein bestimmtes Datum oder eine bestimmte Uhrzeit zu warten, ich binge einfach bei einem Streaming-Dienst oder bestelle die DVD. Kleidung trägt man höchstens eine Saison und wirft sie dann weg. Schnelle Bedürfnisbefriedigung, unbegrenzte Auswahl und das alles kostengünstig. Das sind wir gewohnt, das wollen wir so haben. Und entsprechend hat sich unsere Mentalität geändert. Schnell und viel! Und trotzdem ist die Gesellschaft meines Erachtens nicht zufriedener geworden. Eher im Gegenteil. Weil man es gewöhnt ist, Bedürfnisse rasch und unkompliziert erfüllen zu können, ist die Frustrationstoleranz gering und die Ansprüche sind hoch. Es wird gemeckert und kritisiert, was das Zeug hält.